100 Jahre TSV Bisingen –
100 Jahre vielfältiges Vereinsleben
1904: Gründung des Turnvereins Bisingen
Wie alles begann
Im Jahr 1904 wirkte in Bisingen ein Lehrer namens Hugo Steinhart. Dieser trug sich schon länger mit dem Gedanken, die Bisinger Jugend in einem Verein zu sammeln und ließ deshalb durch die Ortsschelle am
20. April 1904 folgenden in den Büchern des TSV belegten Aufruf bekanntgeben:
„Wer sich an der Gründung eines Turnvereins beteiligen will, möge sich morgen abend in der Bahnhofsrestauration einfinden.“
Am Abend des 21.April kamen jedoch nur etwa 15 junge Leute zusammen.
Lehrer Steinhart und Fabrikant Heinrich Maute schilderten die Notwendigkeit eines Turnvereins in dem großen, industriereichen Ort Bisingen. Zur weiteren Beratung wurde der folgende Abend vorgeschlagen, in der Hoffnung, dass diese Versammlung noch zahlreicher besucht werden möge.
Diese Hoffnung erfüllte sich dann auch, denn es kamen 35 junge Leute und so wurde am Abend des 22.April 1904 die Gründung des Turnvereins Bisingen beschlossen.
Die erforderlichen Wahlen der Vereinsverantwortlichen ergaben dann folgende Namen:
Vorsitzender : Lehrer Hugo Steinhart
Stellvertreter: Schreiner Xaver Rager
Turnwart: Fritz Burth
Stellvertreter: Josef Rager
Schriftwart: Alfons Binder
Kassenwart: Karl Schellinger
Ausschuß-
mitglieder: Hugo Heiß, Konstantin Schell u. August Beck
Der Turnverein war also gegründet. Zur Anschaffung der notwendigen Geräte wurde vom Lokalwirt Gfrörer zum Zollerhof ein Darlehen in Höhe von 350.-Reichsmark aufgenommen.
Geturnt wurde jeden Abend auf dem Gemeindeturnplatz bei der Julienhütte, wenn es die Witterung erlaubte.
Die Hechinger Turner Wilhelm Mäß, Buz und Schuler unterstützen den jungen Verein in lobenswerter Weise.
Noch im Jahre 1904 trat der Verein auf dem Gauturntag in Balingen in den Zollern-Schalksburg-Turngau und damit in die „Deutsche Turnerschaft“ ein.
Die Mittel des neugegründeten Vereins waren knapp, geldliche Unterstützungen waren von keiner Seite zu erwarten. So half sich der Verein selbst, in dem Vereinsmitglieder Theater spielten und durch die Aufführungen kam so etwas Geld in die Kasse, die es dem Verein gestatteten, seine Ausgaben zu bestreiten.
Im Jahr 1905 besuchte der Verein erstmals das Gauturnfest in Oberndorf am Neckar. Der Jubel war groß als der Bisinger Wett-Turner Josef Rager den 29. Preis mitbrachte.
1906: Anschaffung der Vereinsfahne
Der Verein entwickelte sich weiter gut und so trug man sich mit dem Gedanken, eine Fahne zu kaufen. In großherziger Weise half die ganze Einwohnerschaft mit, diesen Gedanken zu verwirklichen. Eine Sammlung im Ort erbrachte das schöne Ergebnis von 175.-Mark, womit man sich den Fahnenwunsch erfüllen konnte.
Die Fahneweihe fand unter Beteiligung von 29 Vereinen sowie der ganzen Einwohnerschaft von Bisingen und Umgebung im Jahr 1906 statt.
Lehrer Steinhart musste im Jahre 1907 den Vorsitz wegen Wegzugs niederlegen. Er wurde einstimmig zum Ehrenvorstand ernannt, An seine Stelle trat Josef Beck, Stellvertreter wurde Benno Heiß. In diesem Jahre holte der Verein beim Gauturnfest 5 Preise.
Im Jahre 1908 übernahm Ehrenvorsitzender Wilhelm Müller, Fabrikant den Vorsitz des Vereins.
Herr Müller, in Turnsachen sehr gut bewandert, brachte den Verein gut voran auf eine beachtenswerte Höhe. Schon im gleichen Jahr wurden beim Gauturnfest 10 Preise errungen.
1909: Gauturnfest erstmalig vom TSV ausgerichtet
Im Jahre 1909 erhielt der Verein das Gauturnfest zugesprochen. Das war damals eine sehr gewagte Sache für einen jungen Verein. Leider hatte er auch bei der Durchführung wenig Glück, denn bei strömendem Regen konnte das Preisturnen nur mit Mühe durchgeführt werden. An diesem Gauturnfest beteiligten sich 181 Wettturner. Adolf Conzelmann aus Ebingen gewann im 6-Kampf Oberstufe den 1. Preis mit 141 Punkten.
Durch das verregnete Fest entstanden dem Verein große Verluste. Diese wurden durch Unterstützung der Gemeinde, der Brauerei Zöhrlaut aus Haigerloch sowie weiteren Turnfreunden gedeckt.
Herr Wilhelm Müller sah sich im Jahre 1912 genötigt den Vorsitz aus geschäftlichen Rücksichten niederzulegen, worauf ihn der Verein zum Ehrenvorstand mit Sitz und Stimme im Ausschuss ernannte.
Die darauf stattfinden Neuwahlen ergaben. 1. Vorsitzender Wilhelm Vogt, Fabrikant, 2. Vorsitzender Karl Schellinger, Schriftwart Xaver Schellinger, Kassenwart Hans Schell, Turnwart Josef Ott.
1913 – Arbeitsreiches Jahr mit Höhen und Tiefen
Das folgende Jahr 1913 war seit der Gründung eines der arbeitsreichsten des Vereins.
Zunächst legte Fabrikant Vogt den Vorsitz ebenfalls aus geschäftlichen Gründen wieder nieder. An seinen Posten trat Lehrer Theodor Haug.
Im gleichen Jahr traf den Verein ein herber Verlust, denn am 17. Mai 1913 verstarb der Gründer des Vereins Hugo Steinhart. In den Vereinsannalen ist eingetragen:
„Wenn er uns durch seinen allzu frühen Tod entrissen wurde, unser Ehrenvorstand Lehrer Hugo Steinhart soll in der Geschichte des Turnvereins Bisingen unvergessen bleiben!“
1914 – 10-jähriges Bestehen gefeiert
Am 2.und 3. Mai 1914 feierte der Verein in größerem Rahmen sein 10-jähriges Bestehen, an welchem sich viele Gauvereine und andere Vereine sowie die ganze Einwohnerschaft beteiligten.
Bei dieser Gelegenheit wurde Fabrikant Heinrich Maute zum Ehrenmitglied ernannt.
Als der Verein sich im Jahre 1914 zum Gauturnfest, das in Hechingen stattfinden sollte, rüstete, brach der 1. Weltkrieg aus. Sofort wurde ein großer Teil der Turner zu den Waffen gerufen. Nach kurzer Zeit waren nur noch die Zöglinge im Verein da und auch diese wurden geholt. Vorsitzender Lehrer Haug gab sich alle erdenkliche Mühe, den Verein am Leben zu erhalten. Er nahm nach und nach jungen Turner und sogar die Jüngsten als Mitglieder auf. Mit den „Ausmarschierten“ blieb er in regem brieflichen Kontakt. Manches Päckchen von ihm fand seinen Weg an die Front. Viele musste er in die Verlustliste des Vereins eintragen. Der Turnverein Bisingen marschierte hier leider an der Spitze der Bisinger Vereine, denn 23 Turner kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück.
1918/19 – Turnverein hatte viele Gefallene zu beklagen
Nach Ende des 1. Weltkrieges berief Vorsitzender Lehrer Haug den Verein zu einer Hauptversammlung ein und erstattete den Bericht über die ganze Kriegszeit. Viele Mitglieder fehlten; sie waren im Krieg gefallen! Die alte Vorstandschaft wurde in dieser Hauptversammlung wieder gewählt.
An Stelle des gefallenen Kassiers Hans Schell wurde Friedrich Mayer zum neuen Kassenwart gewählt.
Nach dem 1. Weltkrieg war es nicht leicht, die Jugend richtig zu behandeln, aber mit Ausdauer und Zähigkeit schafften es die Vorstände Lehrer Haug und Karl Schellinger, dass der Verein wieder aufblühte.
Im Jahre 1920 errang der Turnverein beim Kreis-Bezirksturnen in Tübingen fünf Eichenkränze.
Mit zunehmenden Erfolgen war die Vereinsleitung gezwungen, sich um ein Turnlokal umzusehen. Man beschloss, eine Turn- und Festhalle für die ganze Gemeinde zu bauen. Auf die Eingabe der Vorstände genehmigte die Gemeindevertretung auch das Holz zu diesem Bau, die übrigen Kosten wollte der Turnverein selber tragen. Leider wurde der Beschluss der Gemeindevertretung zum Scheitern gebracht, was für die Vereinsleitung, die sich mit Feuereifer um diese Sache bemühte, ein schwerer Schlag war.
Beim Gautag 1920 in Balingen wurde der Ehrenvorsitzende des Turnvereins Bisingen, Fabrikant Wilhelm Müller, zum Gauvertreter gewählt.
Im Jahre 1921 legte Lehrer Haug sein Amt nieder. Er war schon einige Jahre Hauptlehrer in Thanheim und die eigentlichen Vereinsgeschäfte führte der 2. Vorsitzende Karl Schellinger. Lehrer Haug wurde dann zum Ehrenmitglied ernannt. Gleichzeitig wurde auch der langjährige Turnwart Josef Ott zum Ehrenmitglied ernannt.
In den Wahlen wurde der seitherige 2. Vorsitzende Karl Schellinger zum 1. Vorsitzenden gewählt. Lehrer Ziesel wurde 2. Vorsitzender. Dieser hat sich besonders um die Einführung der Spiele verdient gemacht und wurde auch im folgenden Jahr 1922 zum Gauspielewart gewählt.
In der Folgezeit war der Turnverein wieder zur früheren Stärke zurückgekehrt.
1922 – Turnhalle und Sportplatz „Reute“ erstellt
Die schwere Enttäuschung über die Ablehnung der Turn- und Festhalle ließ die beiden amtierenden Vorsitzenden Karl Schellinger und Josef Ziesel keine Ruhe. Ein Spiel- und Sportplatz war zur Weiterentwicklung des Vereins und für die ganze damalige Jugendpflege fast noch notwendiger als eine Turnhalle. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz fanden die beiden Die „Reute“. Ihre Eingabe an die Gemeinde um diesen Platz fand nach zähen Verhandlungen durch den 1. Vorsitzenden Karl Schellinger endlich die gemeindliche Genehmigung. Dieser schloss auch namens des Vereins mit der Gemeinde einen Vertrag, der allen teilen gerecht wurde. Damit war ein großer, schöner und idealer Sportplatz ganz in der Nähe des Bisinger Bahnhofes gefunden und für den Verein gewonnen worden, wofür man auch der der Gemeinde im Namen der Jugend sehr dankbar war. Der Sportplatz „Reute“ bestand aus 10 Allmandgrundstücken, deren Besitzer dann auch durch den Verein entschädigt wurden. Die Instandsetzung des Sportplatzes übernahm der Verein selbst, obwohl die Kosten hoch und das Geld fast nicht aufzutreiben war. Um den Verein aber weiter zu fördern musste diese Opfer erbracht werden, was auch gelang.
So begann man im Jahr 1922 mit der Erstellung einer Turnhalle auf diesem Platz. Ehrenvorsitzender Fabrikant Müller stiftete hierzu einen großen Betrag. Das fehlende Geld brachte der Verein durch Anteilscheine auf, und den Rest bezahlten die Ausschussmitglieder aus eigener Tasche. So war der Verein zu einer, wenn auch kleineren als ursprünglich geplanten Turnhalle auf einem schönen Platze gekommen.
Damit waren alle Voraussetzungen für einen richtigen Turn- und Sportbetrieb gegeben. Der Verein konnte stolz auf sich sein, hatte er sich doch aus eigener Turnerkraft diese Sportstätten erschaffen.
1923 – Einweihung der Turnhalle
Die Einweihung der Turnhalle erfolgte im Jahre 1923. Damit verbunden war die Enthüllung der Ehrentafel für die Gefallenen des Turnvereins Bisingen im 1. Weltkrieg: Diese Ehrentafel enthält die Namen der 23 Gefallene des Vereins (siehe Ehrentafel S. )
1924 – Bezirkssportfest auf neuer „Reute“ durchgeführt
Im Jahre 1924 fand das Bezirkssportfest auf dem neuen Sportplatz “Reute“ statt. Damit hatte dieser seine sportliche Weihe erhalten.
In diesem Jahr 1924 holten die beiden Bisinger Turner Fritz Kleinmann und Georg Schoy beim Deutschen Turnfest in München schöne Preise.
Auch beim Deutschen Turnfest 1928 in Köln, die von den Turnern Fritz Kleinmann, Georg Schoy und Josef Schell unter großen finanziellen Opfern besucht wurden, waren diese Männer sieggekrönt heimgekehrt.
Die im Jahre 1919 gegründete Fußballabteilung machte sich in friedlichem Einvernehmen unter dem Vorsitz des Vereinsvorsitzenden Karl Schellinger am 9. November 1924 als Fußballverein selbständig und trat aus dem Turnverein aus.
Am 25. März 1925 trug der Verein mit dem 2. Vorsitzenden Josef Ziesel einen seiner Besten der damaligen Zeit zu Grabe, als dieser ziemlich plötzlich und unvermittelt verstarb. Er war ein aufrechter, tapferer Mitarbeiter und guter Jugendpfleger seiner Zeit gewesen.
1928 – Premiere des Fasnachtsspiels „Die Nichthuldiger“
Weil sportliche Menschen meist auch lustige fröhliche Menschen sind, bildete sich im Laufe der Zwanziger Jahre im Turnverein Bisingen eine Gruppe von Theaterspielern heran, die sich mit besten Liebhaber- Darstellern messen konnten. Den zahlreichen Proben folgten Theateraufführungen, welche immer ein ausverkauftes Haus hatten.
Durch dieses Theaterengagement von Vereinsmitgliedern des Turnvereins war es selbstverständlich, dass der Turnverein sein bestehendes Fasnachtsengagement durch die Leitung des Bisinger Fasnachstspiele fortführte. Das Spiel über „Die Nichthuldiger“ im Jahre 1928 uraufgeführt und von Xaver Schellinger und Karl Schellinger verfasst und in Szene gesetzt, erlangte bis in die heutigen Tage eine Art von Berühmtheit und einen großen Bekanntheitsgrad.
Außerdem bestand zu damaliger Zeit auch eine Vereinsmusik, ein Spielmannszug, den man mit der Feuerwehr unterhielt, der militärisch geschult, sich bei Festen allgemeiner Aufmerksamkeit erfreute.
1929 – 25-jähriges Vereinsjubiläum war schönes Fest
Am 15./16. Juni 1929 feierte der Turnverein Bisingen verbunden mit dem Gauturnfest sein 25-jähriges Vereinsjubiläum. Bis zu diesem Zeitpunkt zählte man noch 25 Gründungsmitglieder, die teilweise lange Jahre in der Vereinsleitung tätig waren. Es waren dies: Karl Schellinger (20 Jahre in der Vereinsleitung), Georg Schoy (19 Jahre), Xaver Schellinger (17 Jahre), Josef Ott (12 Jahre), Friedrich Dehner (12 Jahre), Friedrich Mayer (10 Jahre), Anton Schell (10 Jahre), Alfons Binder (6 Jahre), Bernd Heiß (5 Jahre), Konstantin Heller (5 Jahre), ferner Wilhelm Vogt, Konstantin Schell, Eugen Birkle, Karl Hausch, Karl Heller, Josef Vogt, Kaspar Gfrörer, Johann Beck, Friedrich Heiß, M. Ziesel, Johann Näher, Wilhelm Hirschbühl, Friedrich Haug, Balthasar Vogt Und Josef Beuter.
Seit seiner Gründung bis zum Jahre 1929 hatte der Turnverein 331 Preise errungen. Darunter waren 12 Kreissieger, 4 Deutsche Sieger und 23 erste Gausieger.
1932 – Eine Frauenriege wurde gegründet
Bereist 1932 wurde damals noch beim TV Bisingen eine 1. Frauen-Riege mit ca. 25 Frauen gegründet.
Das Deutsche Turnfest 1933 in Stuttgart wurde von einer größeren Anzahl von aktiven Bisinger Turnern besucht.
Nach Hitlers Machtergreifung im Jahre 1993 wurden im Rahmen der Gleichschaltung am 30. November 1933 aus Turnverein, Fußballverein und DJK wieder ein Turn- und Sportverein.
1938 – Deutsches Turnfest in Breslau besucht
Auch beim Deutschen Turnfest in 1938 In Breslau war der Verein vertreten, bei dem Bernhard Schoy bester Bisinger Turner war.
Zu dieser Zeit ist vor allem das erst kürzlich verstorbene TSV-Ehrenmitglied Johann Kleinmann zu nennen, der damals einer der besten Geräteturner und Leichtathleten des Turngaues war.
1939 – 1945 Im 2. Weltkrieg waren Turnvereinaktivitäten minimal
Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges war der Turnbetrieb bis nach dem Krieg 1945 ziemlich lahm gelegt. Der Verein hatte in diesen Jahren 49 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Ehrentafeln, die später enthüllt wurden zeugen von den Opfern, die die beiden Weltkriege gefordert haben.
1945 – Wiederbeginn nach Kriegsende
Im Jahr 1946 wurde von der damaligen Militärregierung in jedem Ort nur ein Sportverein zugelassen. So vereinten sich der Turnverein Bisingen, der Fußballverein Bisingen und der Turnverein Steinhofen unter dem Namen “Sportverein Bisingen“ gezwungenermaßen, um zunächst den Spielbetrieb im Fußball, Handball und Tischtennis aufzunehmen.
Das eigentliche Turnen wurde erst 1948 wieder erlaubt.
Auch eine Damen-Handball-Mannschaft nahm den Spielbetrieb auf, welche in die Fußstapfen der Turnerinnen-Abteilung der Vorkriegsjahre trat. In der damaligen schweren Zeit waren es die Veteranen, die unter der tatkräftigen Leitung von August Haug den Grundstock legten.
Nach dem Krieg waren die sportlichen Bedingungen in Bisingen wie auch anderswo alles andere als ideal. Der örtliche Sportplatz „Reute“ war durch Bombenabwürfe stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass keine Wettkampfstätte mehr zur Verfügung stand.
1948 – Wiederaufbau der Sportanlage „Reute“
Während die Turnhalle Reute abgebrochen werden musste, griffen die die Bisinger Leichtathleten unter Vorstand Josef Hodler noch vor der Währungsreform 1948 zur Selbsthilfe. Mit Schaufel und Hacke wurde auf der „Reute“ eine 300-m-Bahn ausgehoben und vom nahe gelegenen Ölschieferwerk transportierte man Schiefer, der als Drainage für die Aschenbahn diente. In den 50-er Jahren wurden dann auch mehrere Kreismeisterschaften veranstaltet, die nicht selten von bis zu 500 Zuschauern begleitet wurden. Dies war der Beginn der großen Sprintertradition im TSV Bisingen.
1950 – Mit Fahnenabordnung bei der Glockenweihe
Dass der Verein mächtige Anstrengungen unternahm, machte sich in allen Bereichen bemerkbar. So nahm man mit einer Fahnenabordnung und der Vereinsleitung bei der Glockenweihe der Pfarrkirche St. Nikolaus teil und statt einer Weihnachtsfeier führte man im Zollersaal den Drei-Akter „Der doppelte Bräutigam“ mit großem Erfolg auf. Die Theaterspielgruppe stand damals unter der rührigen Leitung von Fred Donth.
1951 – Zweiter Turnhallenbau wurde bewältigt
Erstes Gauturnfest nach dem Krieg in Ebingen
Jungleichtathlet Manfred Dehner erfolgreich
Bei den Württembergischen Jugendmeisterschaften in Schwenningen stellte der TSV Bisingen mit Manfred Dehner einen zweiten Sieger im Stabhochsprung und einen dritten Sieger im Kugelstoßen wofür es schöne Urkunden mit silbernem und bronzenem Eichenzweig gab.
Beim 1. Gauturnfest nach dem 2. Weltkrieg in Ebingen nahmen 74 Teilnehmer vom TSV teil. Am erfolgreichsten waren Georg Schoy und Ewald Heiss, die in ihrer Klasse1. Gausieger wurden.
Beim Bergfest auf der „Wanne“ bei Pfullingen nahmen 24 Aktive des TSV den Wettkampf auf, wobei Alfred Dehner und Manfred Dehner in ihren Klassen siegten.
Im Jahre 1951 erfolgte unter Karl Schellinger, welcher Josef Hodler im Amt des 1. Vorsitzenden abgelöst hatte, der Bau der neuen „Reute-Turnhalle“ mit vielen Eigenleistungen der Mitglieder.
Nun hatte man eine Gesamtanlage, die den damaligen Verhältnissen entsprechend beste Voraussetzungen für einen regen Turn- und Sportbetrieb
Aus dem Kassenbericht der Generalversammlung 1951 ist zu entnehmen, dass damals einen Kassenbestand in Höhe von 1264.-DM im Hauptverein und 122.-DM in der Fußballabteilung bestand.
Mitglieder waren es zu damaliger Zeit 242.
Langsam aber sicher kamen alle Abteilungen wieder zu Aktivitäten so.
Die Faustballabteilung nahm unter Johann Kleinmann und Anton Baur in diesen Jahren wieder ihre Spiele auf.
Die Tischtennisabteilung unter Josef Sickinger spielte 1951 eine kurze Zeit in der großen Halle des ehemaligen Lagers bis sie abgebrochen wurde.
Die Fußballabteilung wurde nach spannenden Spielen Meister ihrer Klasse.
Auch die Narrenzeitung „Der Nichthuldiger“ lebte wieder auf. Erstmals wurde sie in eigener Regie herausgegeben, gedruckt und verkauft. Maßgeblich dafür und treibende Kraft in der Fassnacht war zu Beginn der 50-er Jahre Josef Rager sen.
1952 – Verhandlungen mit der Gemeinde über Sportplatzübergabe
Der Sportbetrieb nahm weiter zu und so war es nötig für einen geregelten Turnbetrieb eine weitere Kokosmatte anschaffen, die damals für etwa 200 DM zu haben war.
Beim Gauturnfest in Geislingen beteiligte der TSV sich mit 60 Aktiven, die alle einen Siegerkranz erhielten.
Bereits im Jahre 1952 gab es im Verein Diskussionen über den Abbau der aufgelaufenen Schulden aufgrund des Wiederaufbaus der Sportanlage und der nötigen Anschaffungen. Vor allem die Fußballabteilung fühlte sich damals benachteiligt, wenn es um die Verteilung der Schuldenlast ging.
Zwar gab es von der politischen Gemeinde eine erfreuliche Nachricht, nachdem sie einen erhaltenen Zuschuss in einen verlorenen Zuschuss umwandelte, die Schulden drückten den Verein aber gewaltig.
Im November begannen die langwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde, die zum Ziel hatten, dass die Gemeinde die Schuldenlast übernehmen sollte.